Sonntag, 18. Januar 2026

"Mademoiselle Coco und die Entführung des Picasso" von Michelle Marly

Mord, Mode und Meisterwerke – Coco Chanel auf Spurensuche

Gabrielle Chasnel, die später als Coco Chanel weltberühmt werden sollte, arbeitet zu Beginn des Romans als Hutmacherin in Paris. Erste Schritte als Modedesignerin unternimmt sie in eleganten Urlaubsorten. Ihre Hüte und die von ihr entworfene Mode erfreuen sich schnell großer Beliebtheit.

Während im Hintergrund der Erste Weltkrieg tobt, scheint das Leben in Paris weiterzugehen – mit Champagner, Pastis und künstlerischer Bohème. Doch die glanzvolle Fassade bekommt Risse, als plötzlich ein Toter im Hof von Cocos Geschäft liegt: erschlagen mit einem Gehstock. Was ist geschehen? Wer ist der Mörder?

Zusätzlich verschwinden ein Scheck aus Mademoiselles Kasse und eine Frau bleibt spurlos verschwunden. Die Polizei tappt im Dunkeln – und schließlich gerät Coco selbst unter Mordverdacht. Entschlossen beginnt sie, eigene Ermittlungen anzustellen, und stößt dabei auf überraschende Wahrheiten, die sie immer wieder ins Staunen versetzen.

Michelle Marly erzählt eine Kriminalgeschichte, die unheimlich viel Lesespaß bereitet: temporeich, atmosphärisch dicht und durchzogen vom unverwechselbaren Flair von Paris. Kunst und Kultur sind allgegenwärtig, und der Leser begegnet zahlreichen historischen Persönlichkeiten wie Pablo Picasso, Misia Sert oder Guillaume Apollinaire. Natürlich darf auch Boy Capel, Cocos große Liebe, nicht fehlen.

Die Idee, der legendären Coco Chanel die Rolle einer Ermittlerin zu geben, ist wunderbar umgesetzt. Ein historischer Krimi mit Stil, Charme und Spannung – absolut lesenswert!






Samstag, 10. Januar 2026

"Und jeden Tag wird der Weg nach Hause länger und länger" von Frederik Backman

Wenn Erinnerungen leiser werden, bleibt die Liebe

In "Und jeden Tag wird der Weg nach Hause länger und länger" erzählt Frederik Backman eine leise, zutiefst menschliche Geschichte über Erinnerung, Verlust und Liebe.

Im Mittelpunkt stehen Noah und sein Großvater, die viel Zeit miteinander verbringen. Der Opa nennt seinen Enkel liebevoll "Noahnoah", weil er ihn doppelt so lieb hat – ein kleines Detail, das sofort die Innigkeit ihrer Beziehung spürbar macht.

Beide verbindet die Liebe zur Mathematik. Zahlen sind für sie mehr als bloße Rechenzeichen: Sie geben Halt, Ordnung und Orientierung, sie bringen einen immer wieder nach Hause. 

Oft sitzen sie gemeinsam auf einer Bank, reden, lachen und erinnern sich. Doch nach und nach zeigt sich, dass der Großvater immer vergesslicher wird. Die sich anbahnende Erkrankung schleicht sich behutsam in die Erzählung, ohne je laut oder dramatisch zu werden.

Die Geschichte ist kurz, ruhig und scheinbar unaufgeregt. Gerade darin liegt ihre große Stärke. Mit wenigen Worten entfaltet Backman eine enorme emotionale Tiefe. Die Traurigkeit über das Vergessen steht stets neben der Liebe, die bleibt – vielleicht sogar stärker wird. Trotz der unausweichlichen Krankheit verliert die Erzählung nie ihre Wärme.

Es ist eine stille, tief berührende Geschichte über Abschied und Nähe, die lange nachhallt. Sie schmerzt und tröstet zugleich – und macht die Welt für einen kurzen Moment ein bisschen schöner.







Freitag, 9. Januar 2026

"Ein Fall für Fuchs & Haas: Das Sterben der Erben" von Ivo Pala

Wenn das Erbe tödlich wird

Wieder ein Küstenkrimi, der es in sich hat. Ein Toter, der zu Lebzeiten alles andere als beliebt war. Ein Testament mit außergewöhnlichen Bedingungen. Mehrere mögliche Erben, die sich gegenseitig misstrauen – und dann auch noch weitere Todesfälle. Was geht da nur vor sich an der eigentlich so idyllischen Ostsee?

Ivo Pala sorgt für durchgehende Spannung, zahlreiche Verdächtige und eine Atmosphäre, die perfekt zur rauen Küste passt. Die Handlung ist clever aufgebaut und hält bis zum Schluss einige Überraschungen bereit. Besonders das Ende hat mich vollkommen überrascht – damit hätte ich wirklich nicht gerechnet.

Ein packender Krimi mit vielen Wendungen, der bis zur letzten Seite fesselt. Absolute Lese-Empfehlung für alle Fans von Küstenkrimis.




Dienstag, 6. Januar 2026

Sonnenaufgang Nr. 5" von Carsten Henn

Wenn Erinnerungen Geschichten erzählen 

Jonas ist gerade einmal 19 Jahre alt, hat sein Germanistikstudium abgebrochen und weigert sich, im Restaurant seines Vaters mitzuarbeiten. Das Verhältnis zum Vater ist angespannt – vielleicht, weil Jonas mit seiner eigenen Vergangenheit nicht zurechtkommt. Seine Mutter ist bereits früh verstorben, ein Verlust, der bis heute nachwirkt.

Jonas hat einen ungewöhnlichen Traum: Er möchte Biograf werden. Seine erste Kundin ist Stella – eine Frau, die sich selbst als einst gefeierte Filmdiva bezeichnet. Doch ist diese Vergangenheit wirklich wahr oder nur die Geschichte, die sie erzählen möchte?

Carsten Henn erzählt eine wunderschöne Geschichte über Erinnerungen und das Loslassen, über Neuanfänge, Freundschaft und die Frage, wie sehr unsere Vergangenheit uns prägt. Es ist genau die Art von Geschichte, die ich liebe.

Besonders berührend sind die liebevoll gezeichneten Nebenfiguren:

Da ist Bente, die alte Dame, die jeden Tag an derselben Bushaltestelle sitzt, nur um erneut die Ansage zu hören – gesprochen mit der Stimme ihres verstorbenen Mannes.

Paul, der sich nichts sehnlicher wünscht, als einmal mit Stella zu tanzen.

Der Maler, der ausschließlich Sonnenuntergänge malt.

Und Senna, die sich mit Jonas anfreundet und ihm neue Perspektiven eröffnet.

Alle Figuren tragen ihre eigene Geschichte in sich – voller Erinnerungen, Hoffnungen und oft auch Schmerz. Nichts wirkt überzeichnet, alles fühlt sich menschlich und echt an.

Carsten Henn gelingt es einmal mehr, am Ende einen stimmigen Kreis zu schließen. Als Leserin oder Leser legt man dieses Buch mit einem Lächeln aus der Hand.
Ein warmherziges, tröstendes Buch – gerade in unruhigen Zeiten.







Montag, 29. Dezember 2025

"Ostseemonster" von Ivo Pala

Ein Fluch aus der Tiefe - Spannung an der Ostseeküste 

Mit einem führerlosen Boot beginnt der Küstenkrimi "Ostseemonster" von Ivo Pala – und sofort ist die Atmosphäre düster und rätselhaft. Blut und andere Spuren an Bord lassen nichts Gutes erahnen. 

Es ist das Boot von Fischer Freese, der einst als Schiffsjunge bei Bodos Großvater gearbeitet hat. Schon dieser Bezug zur Vergangenheit deutet an, dass alte Geheimnisse eine zentrale Rolle spielen.

Der Roman entwickelt sich zu einem rasanten Küstenkrimi, der mit viel Action und einer überraschend hohen Zahl an Mordopfern aufwartet. Nach und nach wird klar: Alle Beteiligten scheinen auf die eine oder andere Weise mit einem versunkenen Schatz verbunden zu sein, auf dem offenbar ein Fluch lastet. Realität und Legende verschwimmen zunehmend, und lange bleibt offen, ob menschliche Gier oder doch etwas Unheimlicheres hinter den Ereignissen steckt.

Ivo Pala versteht es, Spannung kontinuierlich aufzubauen und die Leserinnen und Leser mit immer neuen Wendungen zu fesseln. Die Ostseekulisse ist stimmungsvoll eingefangen und verleiht der Geschichte eine raue, bedrohliche Note. „Ostseemonster“ ist ein temporeicher Krimi für alle, die actionreiche Plots, maritime Schauplätze und geheimnisvolle Hintergründe schätzen.




Sonntag, 28. Dezember 2025

"Ein Fall für Fuchs & Haas: Kopflos am Strand" von Ivo Pala

Kopfloser Schrecken an der Ostsee

Zwei übel zugerichtete Leichen werden auf einem Boot entdeckt – ein Mann und eine Frau. Beiden fehlen die Köpfe. Wer ist zu so etwas fähig? Ein Serienmörder? Ein Psychopath? Oder steckt persönliche Rache hinter dieser grausamen Tat?

Mit diesem Einstieg zieht der 53. Fall von Fuchs & Haas sofort in seinen Bann. Die Geschichte ist von Beginn an spannend, düster und voller Fragen, die einen bis zum Schluss nicht loslassen. Besonders gelungen ist erneut das Setting an der Ostsee, das der Handlung eine dichte und zugleich atmosphärische Kulisse verleiht.

Da wir gerade Urlaub in der Nähe von Fischland-Darß-Zingst machen, war es für mich fast schon Pflicht, endlich wieder zu einem Fall von Fuchs & Haas zu greifen. Und ich wurde nicht enttäuscht: Ein packender Krimi, der zeigt, dass die Reihe auch nach so vielen Fällen nichts von ihrer Spannung verloren hat.




Donnerstag, 25. Dezember 2025

"Winterglück und Inselzauber - Ein Weihnachtsfest auf Borkum" von Claudia Schirdewan

Ein Weihnachtswunder im Eis von Borkum

Julia betreibt eine kleine Pension auf der winterlichen Insel Borkum, wo sie gemeinsam mit ihrem sechsjährigen Sohn Leon lebt. Besonders kurz vor Weihnachten ist die Trauer um die verstorbene Oma für Leon sehr schwer zu ertragen. Eigentlich wollte Julia mit ihm in die Berge zu einer Freundin reisen, doch ein heftiger Eissturm legt die Insel lahm: Fähren werden eingestellt, niemand kommt weg – und niemand kommt an.

So sitzen auch die Pensionsgäste fest, wenig begeistert über die ungeplante Verlängerung ihres Aufenthalts. Darunter sind die Sängerin Nina, die dringend aufs Festland zurück müsste, um einen Tonträger aufzunehmen, sowie Simon, der geschäftliche Verpflichtungen hat. Doch der Eissturm mit Eis, Schnee und völliger Isolation zwingt alle zum Innehalten und Entschleunigen.

Nach und nach wächst aus der unfreiwilligen Gemeinschaft etwas Besonderes. Es ist, als würde ein kleines Weihnachtswunder geschehen: Leon blüht auf, Nähe entsteht, alte Wunden beginnen zu heilen – und ganz leise hält auch die Liebe Einzug.

"Winterglück und Inselzauber - Ein Weihnachtsfest auf Borkum" ist ein wunderschöner Winter- und Weihnachtsroman, der besonders zum Ende hin sehr berührend ist. Warmherzig, gefühlvoll und atmosphärisch geschrieben – ein echter Kuschelroman für kalte Wintertage und die Vorweihnachtszeit.



Herzlichen Dank, dass ich das wunderbare Buch lesen und vorstellen durfte!


#beheartbeat #NetGalleyDE