Samstag, 7. Februar 2026

Bücher, die ich noch einmal lesen würde

Es gibt Bücher, die begleiten uns ein Leben lang. Man trägt sie nicht ständig mit sich, aber sie sind da – irgendwo im Inneren. Und manchmal genügt ein Gedanke, ein Satz, ein Gefühl, um sie wieder hervorzuholen.

Mein erstes "richtiges" Buch als Jugendliche war "Suchkind 312" von Hans-Ulrich Horster. Damals wusste ich noch nicht, dass dieses Buch sich so tief in mir festsetzen würde. Es erzählt das dramatische Schicksal einer jungen Mutter im Nachkriegsdeutschland, die ihr im Krieg verlorenes Kind sucht. Eine Geschichte voller Hoffnung, Verzweiflung und unerschütterlicher Liebe.

Was mich bis heute nicht loslässt, ist diese Mischung aus persönlichem Leid und historischer Realität. Der Roman macht spürbar, was der Krieg für einzelne Menschen bedeutete – nicht abstrakt, sondern ganz nah. Besonders eindrücklich fand ich die Einblicke in die Arbeit des Roten Kreuzes nach 1945, diese mühsame, oft verzweifelte Suche nach Vermissten, nach Namen, nach Spuren von Leben.


(Bild wurde durch KI generiert.)


Ich war noch jung, als ich das Buch las, und doch hat es mich tief berührt. Vielleicht gerade deshalb. Ich konnte es nie vergessen. Und auch wenn ich es seitdem nicht noch einmal gelesen habe, weiß ich: Dieses Buch würde ich jederzeit wieder zur Hand nehmen. Nicht aus Nostalgie, sondern weil es zu den Geschichten gehört, die etwas in einem geöffnet haben.

Heute frage ich mich:

Habt ihr auch so ein Buch?

Einen Roman, den ihr nie vergessen konntet? Vielleicht euer erstes richtiges Buch. Oder eine Geschichte, die euch in einer bestimmten Lebensphase geprägt hat. Ein Buch, das ihr jederzeit noch einmal lesen würdet – weil es mehr ist als nur eine Geschichte.

Ich bin sehr gespannt auf eure Antworten.



Mittwoch, 4. Februar 2026

"Mademoiselle Coco und der Duft des Mörders" von Michelle Marly

Wenn ein Duft zum Mörder führt - Coco Chanel ermittelt erneut

Schon beim Aufschlagen von "Mademoiselle Coco und der Duft des Mörders" war ich wieder mitten im Paris der 1920er-Jahre. Ein paar Jahre sind vergangen, Coco Chanel ist inzwischen berühmt, erfolgreich – und doch innerlich nicht ganz angekommen.

Als eine Kundin behauptet, ihre Schwester sei ermordet worden und den Täter allein am Duft erkannt zu haben, ist Coco sofort elektrisiert. Ein Mord, der mit einem Parfum in Verbindung steht? Ausgerechnet jetzt, wo sie selbst Chanel Nr. 5 erschaffen hat? Diese Idee ist so ungewöhnlich wie faszinierend – und lässt Coco (und mich!) nicht mehr los.

Privat fühlt sich Coco nach der Trennung von ihrem letzten Geliebten einsam. Die Avancen eines charmanten Adeligen schmeicheln ihr, tun ihr gut – bis sich langsam ein ungutes Gefühl einschleicht. Nichts ist, wie es scheint. Tote Frauen in Badewannen, Heiratsschwindler, dunkle Geheimnisse – gibt es einen Zusammenhang?

Gemeinsam mit ihrer Freundin Misia begibt sich Coco erneut auf Spurensuche. Dabei ist es nicht nur der Kriminalfall, der fesselt, sondern vor allem Coco selbst: ihre Verletzlichkeit, ihre Neugier und ihr Mut, unbequeme Fragen zu stellen.

Dieser zweite Band hat mich wieder völlig in seinen Bann gezogen. Spannend, atmosphärisch und voller Paris-Flair. Ich habe jede Seite genossen – und kann es kaum erwarten, mit Coco in den dritten Fall einzutauchen.



STOPP MAL! Der Mutter-Tochter-Talk

Hört einfach mal rein! Es lohnt sich.


Zwei bezaubernde Frauen, Mutter und Tochter, haben mit "Stopp mal! Der Mutter-Tochter-Talk" bereits die zweite Podcast-Folge veröffentlicht.



Julia Fischer und Sophie Nothaft plaudern locker über ihre Liebe zu Fernsehserien, lassen aber auch Einblicke in ihren Alltag und ihre innige Beziehung zu. 



Das Zuhören macht Spaß, man fühlt sich sofort mitgenommen. Offen, ehrlich, herzerfrischend und einfach sympathisch. Reinhören lohnt sich – zum Beispiel auf Spotify, Instagram oder auch mit Bild auf YouTube.

Sonntag, 18. Januar 2026

"Mademoiselle Coco und die Entführung des Picasso" von Michelle Marly

Mord, Mode und Meisterwerke – Coco Chanel auf Spurensuche

Gabrielle Chasnel, die später als Coco Chanel weltberühmt werden sollte, arbeitet zu Beginn des Romans als Hutmacherin in Paris. Erste Schritte als Modedesignerin unternimmt sie in eleganten Urlaubsorten. Ihre Hüte und die von ihr entworfene Mode erfreuen sich schnell großer Beliebtheit.

Während im Hintergrund der Erste Weltkrieg tobt, scheint das Leben in Paris weiterzugehen – mit Champagner, Pastis und künstlerischer Bohème. Doch die glanzvolle Fassade bekommt Risse, als plötzlich ein Toter im Hof von Cocos Geschäft liegt: erschlagen mit einem Gehstock. Was ist geschehen? Wer ist der Mörder?

Zusätzlich verschwinden ein Scheck aus Mademoiselles Kasse und eine Frau bleibt spurlos verschwunden. Die Polizei tappt im Dunkeln – und schließlich gerät Coco selbst unter Mordverdacht. Entschlossen beginnt sie, eigene Ermittlungen anzustellen, und stößt dabei auf überraschende Wahrheiten, die sie immer wieder ins Staunen versetzen.

Michelle Marly erzählt eine Kriminalgeschichte, die unheimlich viel Lesespaß bereitet: temporeich, atmosphärisch dicht und durchzogen vom unverwechselbaren Flair von Paris. Kunst und Kultur sind allgegenwärtig, und der Leser begegnet zahlreichen historischen Persönlichkeiten wie Pablo Picasso, Misia Sert oder Guillaume Apollinaire. Natürlich darf auch Boy Capel, Cocos große Liebe, nicht fehlen.

Die Idee, der legendären Coco Chanel die Rolle einer Ermittlerin zu geben, ist wunderbar umgesetzt. Ein historischer Krimi mit Stil, Charme und Spannung – absolut lesenswert!






Samstag, 10. Januar 2026

"Und jeden Tag wird der Weg nach Hause länger und länger" von Frederik Backman

Wenn Erinnerungen leiser werden, bleibt die Liebe

In "Und jeden Tag wird der Weg nach Hause länger und länger" erzählt Frederik Backman eine leise, zutiefst menschliche Geschichte über Erinnerung, Verlust und Liebe.

Im Mittelpunkt stehen Noah und sein Großvater, die viel Zeit miteinander verbringen. Der Opa nennt seinen Enkel liebevoll "Noahnoah", weil er ihn doppelt so lieb hat – ein kleines Detail, das sofort die Innigkeit ihrer Beziehung spürbar macht.

Beide verbindet die Liebe zur Mathematik. Zahlen sind für sie mehr als bloße Rechenzeichen: Sie geben Halt, Ordnung und Orientierung, sie bringen einen immer wieder nach Hause. 

Oft sitzen sie gemeinsam auf einer Bank, reden, lachen und erinnern sich. Doch nach und nach zeigt sich, dass der Großvater immer vergesslicher wird. Die sich anbahnende Erkrankung schleicht sich behutsam in die Erzählung, ohne je laut oder dramatisch zu werden.

Die Geschichte ist kurz, ruhig und scheinbar unaufgeregt. Gerade darin liegt ihre große Stärke. Mit wenigen Worten entfaltet Backman eine enorme emotionale Tiefe. Die Traurigkeit über das Vergessen steht stets neben der Liebe, die bleibt – vielleicht sogar stärker wird. Trotz der unausweichlichen Krankheit verliert die Erzählung nie ihre Wärme.

Es ist eine stille, tief berührende Geschichte über Abschied und Nähe, die lange nachhallt. Sie schmerzt und tröstet zugleich – und macht die Welt für einen kurzen Moment ein bisschen schöner.







Freitag, 9. Januar 2026

"Ein Fall für Fuchs & Haas: Das Sterben der Erben" von Ivo Pala

Wenn das Erbe tödlich wird

Wieder ein Küstenkrimi, der es in sich hat. Ein Toter, der zu Lebzeiten alles andere als beliebt war. Ein Testament mit außergewöhnlichen Bedingungen. Mehrere mögliche Erben, die sich gegenseitig misstrauen – und dann auch noch weitere Todesfälle. Was geht da nur vor sich an der eigentlich so idyllischen Ostsee?

Ivo Pala sorgt für durchgehende Spannung, zahlreiche Verdächtige und eine Atmosphäre, die perfekt zur rauen Küste passt. Die Handlung ist clever aufgebaut und hält bis zum Schluss einige Überraschungen bereit. Besonders das Ende hat mich vollkommen überrascht – damit hätte ich wirklich nicht gerechnet.

Ein packender Krimi mit vielen Wendungen, der bis zur letzten Seite fesselt. Absolute Lese-Empfehlung für alle Fans von Küstenkrimis.




Dienstag, 6. Januar 2026

Sonnenaufgang Nr. 5" von Carsten Henn

Wenn Erinnerungen Geschichten erzählen 

Jonas ist gerade einmal 19 Jahre alt, hat sein Germanistikstudium abgebrochen und weigert sich, im Restaurant seines Vaters mitzuarbeiten. Das Verhältnis zum Vater ist angespannt – vielleicht, weil Jonas mit seiner eigenen Vergangenheit nicht zurechtkommt. Seine Mutter ist bereits früh verstorben, ein Verlust, der bis heute nachwirkt.

Jonas hat einen ungewöhnlichen Traum: Er möchte Biograf werden. Seine erste Kundin ist Stella – eine Frau, die sich selbst als einst gefeierte Filmdiva bezeichnet. Doch ist diese Vergangenheit wirklich wahr oder nur die Geschichte, die sie erzählen möchte?

Carsten Henn erzählt eine wunderschöne Geschichte über Erinnerungen und das Loslassen, über Neuanfänge, Freundschaft und die Frage, wie sehr unsere Vergangenheit uns prägt. Es ist genau die Art von Geschichte, die ich liebe.

Besonders berührend sind die liebevoll gezeichneten Nebenfiguren:

Da ist Bente, die alte Dame, die jeden Tag an derselben Bushaltestelle sitzt, nur um erneut die Ansage zu hören – gesprochen mit der Stimme ihres verstorbenen Mannes.

Paul, der sich nichts sehnlicher wünscht, als einmal mit Stella zu tanzen.

Der Maler, der ausschließlich Sonnenuntergänge malt.

Und Senna, die sich mit Jonas anfreundet und ihm neue Perspektiven eröffnet.

Alle Figuren tragen ihre eigene Geschichte in sich – voller Erinnerungen, Hoffnungen und oft auch Schmerz. Nichts wirkt überzeichnet, alles fühlt sich menschlich und echt an.

Carsten Henn gelingt es einmal mehr, am Ende einen stimmigen Kreis zu schließen. Als Leserin oder Leser legt man dieses Buch mit einem Lächeln aus der Hand.
Ein warmherziges, tröstendes Buch – gerade in unruhigen Zeiten.