Sonntag, 16. August 2026

"Mademoiselle Coco und der Mord im kleinen Schwarzen" von Michelle Marly

Coco Chanel zwischen Glamour und Mord

Eine tote Reinigungsfrau, in ihrer Handtasche Entwürfe von Cocos neuester Kreation – dem heute weltberühmten "kleinen Schwarzen". Was hatte die junge Frau damit vor? Schnell steht fest: Sie wurde ermordet. Und ausgerechnet Coco Chanel selbst gerät unter Verdacht, die Tat begangen zu haben.

Natürlich kann Coco das nicht auf sich sitzen lassen. Gemeinsam mit ihrer Freundin Misia Sert macht sie sich auf die Suche nach dem wahren Mörder. Doch wieder einmal begeben sich die beiden Frauen dabei in große Gefahr.

Michelle Marly nimmt uns erneut mit in die faszinierende Modewelt der 1920er-Jahre, in eine Welt der Reichen und Schönen, der Künstler und Intellektuellen. Wir begegnen nicht nur Misias Ehemann, dem Künstler José María Sert, der von den eigenmächtigen Ermittlungen der beiden Frauen wenig begeistert ist, sondern auch dem gemeinsamen Freund Jean Cocteau.

Doch neben Glanz, Glamour und Haute Couture zeigt der Roman auch die andere Seite dieser Zeit. Wir erhalten Einblicke in die Lebensumstände der Menschen, mit denen es das Schicksal nicht so gut gemeint hat. Gerade für Coco sind diese Begegnungen besonders berührend, denn sie selbst stammt ursprünglich aus einfachen Verhältnissen.

Auch dieser Krimi von Michelle Marly hat mir wieder unheimlich viel Spaß gemacht. Das Eintauchen in die faszinierende Welt der Mode, die Begegnungen mit historischen Persönlichkeiten und natürlich der spannende Mordfall ergeben eine wunderbare Kombination.

Ein atmosphärischer und unterhaltsamer Krimi, der Geschichte, Mode und Spannung miteinander verbindet. Ich hoffe sehr, dass Coco Chanel und Misia Sert noch in viele weitere Fälle verwickelt werden!






Mein allerherzlichster Dank geht an Michelle Marly! 
Danke, dass ich diesen tollen Krimi lesen und vorstellen durfte!


Dienstag, 11. August 2026

"Die Schönheit der Distanz" von Nao-Cola Yamazaki

Eine leise Geschichte über Liebe und Abschied

Ein Mann fährt jeden Tag zu seiner todkranken Frau ins Krankenhaus. Er hilft ihr beim Waschen, wäscht und kämmt ihre Haare. Sie begrüßen sich immer mit "Hallo" und "Selber Hallo". Eine ganz einfache, alltägliche Begrüßung – und doch steckt darin so viel Nähe.

Beide wissen, dass sie sterben wird. Und trotzdem versucht er, seiner Frau eine Art Alltag zu ermöglichen. Einen neuen Alltag, der nun eben im Krankenhaus stattfindet. Beide wagen es zunächst nicht, bestimmte, selbst auferlegte Grenzen zu überschreiten. Und wenn sie es dann doch einmal tun, merken sie, wie leicht es eigentlich sein kann.

Während im Krankenhaus die Zeit scheinbar stillsteht, dreht sich die Welt außerhalb weiter – schnell und unerbittlich. Der Mann nimmt eine Art Pflegezeit in Anspruch, um so viel Zeit wie möglich bei seiner Frau verbringen zu können. Auch seine Schwiegereltern stehen stets an seiner und an der Seite ihrer Tochter. Das Verhältnis zwischen ihnen wirkt dabei etwas distanziert. Aber genau diese Distanz, die Nähe und die Grenzen zwischen Menschen sind ein wichtiger Teil dieses Romans.

"Die Schönheit der Distanz" ist eine sehr leise und ehrliche Geschichte. Von Anfang an steht der bevorstehende Tod der Frau im Raum. Und trotzdem hatte ich beim Lesen nie das Gefühl, dass der Roman nur traurig ist. Im Gegenteil: Ich habe selten eine Geschichte gelesen, die ein so trauriges Thema so ehrlich, behutsam und gleichzeitig mit so viel Herz erzählt.

Ja, diese Geschichte ist traurig. Aber sie nimmt einem auch ein Stück weit die Angst vor dem Tod. Sie zeigt, dass selbst in einer solchen Situation Nähe, Alltag, Liebe und sogar Leichtigkeit möglich sind.

Eine sehr außergewöhnliche, berührende Geschichte, die mich nach dem Lesen nicht mit Traurigkeit, sondern mit einem erstaunlich guten Gefühl zurückgelassen hat.




Ganz herzlichen Dank an das Team des 
DUMONT-Verlages, dass ich dieses Buch 
lesen und vorstellen durfte! 

#Dumont

Freitag, 7. August 2026

"Sommerhaus" von Rachel Joyce

Enttäuschung statt Sommerlektüre

Bin ich mit falschen Erwartungen an dieses Buch herangegangen? Vielleicht. Immerhin habe ich "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" von Rachel Joyce geliebt und deshalb vermutlich auch an  "Sommerhaus" andere Erwartungen gehabt.

Dabei fängt der Roman zunächst gar nicht schlecht an. Doch leider wird die Geschichte für mich zunehmend zäh – so zäh, dass ich irgendwann einfach nicht mehr weiterlesen wollte.

Auf den Inhalt möchte ich gar nicht näher eingehen, denn den kann jeder dem Klappentext entnehmen. Für mich waren die Geschichte und vor allem die Protagonisten einfach zu blass. Vieles zog sich, ohne dass ich wirklich einen Zugang zu den Figuren gefunden hätte.

Nach etwa einem Drittel habe ich deshalb schweren Herzens beschlossen, das Buch abzubrechen. Und auch wenn ich Bücher nur ungern aufgebe: Meine Lesezeit ist mir inzwischen zu kostbar, um mich durch eine langatmige Geschichte zu quälen.

Schade, denn nach meinem Begeisterung für "Harold Fry" hatte ich mir von Rachel Joyce deutlich mehr versprochen.



Auch wenn diese Geschichte nicht meine Geschichte war, so möchte ich doch dem Team von NetGalley und Thiele danken, dass ich das Buch lesen durfte.


#Sommerhaus

#NetGalleyDE

#Thiele











Montag, 3. August 2026

"Ein Fall für Fuchs & Haas: Das Mädchen in den Dünen" von Ivo Pala

Spannung und Ostsee-Flair bis zur letzten Seite

Zwischen den Dünen von Prerow und Zingst wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Da sie ohne Unterwäsche entdeckt wird, liegt zunächst der Verdacht eines sexuellen Missbrauchs nahe. Doch die Ermittlungen nehmen schon bald eine andere Richtung.

Die Kommissare stoßen darauf, dass die Gymnasiastin von einem Mitschüler gestalkt wurde. Damit scheint der Fall zunächst klar – doch diese Lösung wäre viel zu einfach. Nach und nach geraten weitere Personen in den Fokus, und die Geschichte hält einige überraschende Wendungen bereit.

Wie gewohnt überzeugt Ivo Pala mit einem spannenden Ostsee-Krimi, der bis zum Schluss fesselt. Besonders gefallen haben mir wieder die stimmungsvollen Beschreibungen der Landschaft rund um Prerow und Zingst. Sie wecken die Sehnsucht nach der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern und verleihen dem Krimi eine ganz besondere Atmosphäre.







Donnerstag, 30. Juli 2026

"Dem Meer entgegen" von Lidija Hilje

Wenn der Klappentext Erwartungen weckt, die der Roman nicht erfüllt 

Der Klappentext verspricht einen poetischen Sommerroman voller mediterraner Atmosphäre – mit dem Duft von Kräutern und sonnendurchfluteten Olivenhainen. Ehrlich gesagt hatte ich jedoch den Eindruck, als hätte der Verfasser des Klappentextes ein anderes Buch gelesen.

Im Mittelpunkt steht Ivona, die nach Zadar an der kroatischen Küste zurückkehrt. Sie lebt im Elternhaus, pflegt ihren Vater und arbeitet – obwohl sie eigentlich Biologin ist – in einem Schreibwarengeschäft.

Immer wieder begegnet sie ihrem Ex-Mann Vlaho, den sie trotz der Scheidung nie aufgehört hat zu lieben. Inzwischen ist er mit ihrer Freundin Marina verheiratet, hat mit ihr eine Familie gegründet, und Ivona ist sogar Patin eines ihrer Kinder. Anders als der Klappentext vermuten lässt, treffen Ivona und Vlaho also nicht plötzlich wieder aufeinander, sondern sehen sich regelmäßig.

Als Ivona Asier kennenlernt, der sie beim Verkauf des elterlichen Hotels unterstützt, stellt sich die Frage, ob sie bereit ist, sich auf eine neue Beziehung einzulassen.

Für mich ist "Dem Meer entgegen" weder ein sommerlicher noch ein poetischer Roman. Die versprochene Leichtigkeit habe ich vermisst. Stattdessen begleitet man eine Frau, die von ihren Gefühlen zerrissen ist, nie wirklich auf eigenen Beinen gestanden hat und ihre Vergangenheit nicht loslassen kann. Ivonas Sehnsucht nach ihrer verlorenen Liebe bestimmt ihr Leben über weite Strecken.

Auch einige Handlungselemente wirkten auf mich wenig glaubwürdig. Vor allem die Konstellation zwischen Ivona, Vlaho und Marina fiel mir schwer nachzuvollziehen. Als schließlich auch Asier dazukommt, entsteht stellenweise der Eindruck einer fast schon harmonischen Viererrunde – das wirkte auf mich eher konstruiert.

Sprachlich ist der Roman gut geschrieben, daran gibt es für mich nichts auszusetzen. Hätte der Klappentext die Geschichte treffender beschrieben, wäre ich vermutlich mit anderen Erwartungen an das Buch herangegangen. So fühlte ich mich jedoch in die falsche Richtung gelenkt und blieb am Ende enttäuscht zurück.






Herzlichen Dank an @NetGalleyDE und @hanserblau für das Rezensionsexemplar! 

#DemMeerentgegen #NetGalleyDE






Sonntag, 26. Juli 2026

"Im Sommer der Wildbienen" von Nina Mayen

Wenn die Natur zum sicheren Hafen wird

Die junge Flora ist Autistin. Nach einer schweren Panikattacke in einem Einkaufszentrum verlässt sie Köln und ihre Familie, um in das leerstehende Haus ihrer verstorbenen Großmutter in der Eifel zu ziehen. Dort findet sie endlich die Ruhe, die sie so dringend braucht. Zum ersten Mal kann sie ganz sie selbst sein, ohne sich verstellen oder den Erwartungen anderer anpassen zu müssen.

In der Eifel lernt sie Eden kennen und lieben. Außerdem unterstützt sie Eden und deren Mutter in ihrem Café. Eine besondere Rolle spielen die Wildbienen in Floras Garten: Sie geben ihr Halt, helfen ihr, ihre Gedanken zu ordnen, und schenken ihr in schwierigen Momenten innere Ruhe. Doch als ein Wasserschaden ihr neues Zuhause bedroht, gerät ihre mühsam aufgebaute Sicherheit ins Wanken. Flora muss sich fragen, ob ihr neuer Lebensweg wirklich der richtige ist.

Nina Mayen erzählt Floras Geschichte mit viel Feingefühl und großer Authentizität. Der Roman vermittelt auf einfühlsame Weise, wie ein autistischer Mensch die Welt wahrnimmt, und regt dazu an, Verständnis und Empathie zu entwickeln. Eine berührende Geschichte über Neuanfänge, Selbstfindung, Liebe und den Mut, den eigenen Weg zu gehen – absolut lesenswert und für Leserinnen und Leser jeden Alters zu empfehlen.






Herzlichen Dank an das Ullstein-TEam und das Team von Netgalley, dass ich diesen Roman lesen und vorstellen durfte!




Sonntag, 19. Juli 2026

"Die Austernfischerin" von Celine Edinger

Ungewöhnlich erzählt, aber ohne mich zu fesseln

Lydia und Hendrick verbringen ihren Urlaub im Haus von Hendricks Mutter an der dänischen Nordsee. Elna lebt zurückgezogen und hat sich ganz der Austernfischerei verschrieben. Das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn ist angespannt. Hendrick, der gerade durch eine wichtige Prüfung gefallen ist, sehnt sich nach ihrer Zuneigung, doch diese bleibt ihm verwehrt. Während er lernt, entwickelt sich zwischen Lydia und Elna eine immer stärkere Anziehung.

Die Austernfischerin ist ein ungewöhnlicher, ruhiger Roman mit einer besonderen Atmosphäre. Das Ende empfand ich allerdings als merkwürdig und etwas unbefriedigend. Insgesamt bin ich mit der Geschichte nicht wirklich warm geworden.

Gestört hat mich außerdem die Entscheidung, in der wörtlichen Rede auf Ausrufezeichen zu verzichten. Für mich hat das den Lesefluss erschwert und die Dialoge stellenweise ungewohnt wirken lassen.




Herzlichen Dank an die Teams von Klein und Aber und Netgalley, dass ich das Buch lesen und vorstellen durfte!



#NetGalleyDEChallenge