Samstag, 28. März 2026

"Der Buchhändler von Gaza" von Rachid Benzine

Zwischen Krieg und Hoffnung: Die Stille Kraft der Geschichten

Der Fotograf Julien bittet Nabil al Jaber, ein Foto von ihm machen zu dürfen. Nabil ist Buchhändler – allerdings ein ganz besonderer: Er verkauft seine Bücher nicht, sondern verschenkt sie. Für jeden Menschen, ob groß oder klein, findet er die passende Geschichte.

Zwischen den beiden entwickelt sich schnell ein Gespräch. Doch bevor Nabil beginnt, seine eigene Geschichte zu erzählen, bereitet er Tee zu. Über mehrere Tage hinweg treffen sie sich immer wieder, und jedes ihrer Gespräche beginnt mit diesem kleinen Ritual.

Nach und nach lernt auch der Leser Nabils tragische Vergangenheit kennen – eine Geschichte von Krieg und Vertreibung, vom Tod Unschuldiger und dem Verlust ganzer Familien. Und dennoch ist sie immer wieder von Hoffnung durchzogen: der Hoffnung auf Frieden und auf ein besseres Leben.

Dieses Buch stimmt tief nachdenklich. Es macht traurig, zeigt aber zugleich, wie wichtig es ist, die Hoffnung nie aufzugeben.

Trotz der schweren Themen ist die Sprache bemerkenswert poetisch. Der Autor nutzt die Kraft der Worte auf eindrucksvolle Weise. Immer wieder wird spürbar, mit wie viel Liebe der Buchhändler handelt – und wie er damit die Welt um sich herum ein kleines Stück besser macht.

Unbedingt lesen – diese Geschichte ist ein kleines Juwel.






Ganz herzlichen Dank an den PIPER-Verlag und an NetGalley, dass ich diese wunderbare Geschichte lesen und vorstellen durfte!




#NetGalley
#PIPER

Freitag, 13. März 2026

"Ein Fall für Fuchs & Haas: Fischland-Sühne"

Tödliches Geheimnis in Ahrenshoop 

Die Ahrenshooper Künstlerin Ertmute Hoff wird brutal ermordet aufgefunden, ihre Bilder sind zerstört. Dabei sollte nur einen Tag später ihre Ausstellung eröffnet werden – und sie wollte dabei ein brisantes Geheimnis enthüllen. Doch dazu kommt es nicht mehr.

Die Ermittler Fuchs und Haas nehmen in gewohnt ruhiger, aber beharrlicher Art die Ermittlungen auf. Schnell zeigt sich jedoch, dass die Menschen aus dem Umfeld der Künstlerin nicht bereit sind zu reden. Schweigen, Ausweichen und versteckte Wahrheiten erschweren die Suche nach dem Täter.

Nach und nach kommen überraschende Details ans Licht, die das Bild der scheinbar idyllischen Ostseeküste in einem anderen Licht erscheinen lassen. Stück für Stück setzen sich die Puzzleteile zusammen – bis schließlich klar wird, wer hinter der Tat steckt und welches Motiv dahinter verborgen liegt.

„Fischland-Sühne“ ist ein spannender Ostsee-Krimi, der von der ersten Seite an fesselt. Die atmosphärische Kulisse, interessante Figuren und unerwartete Wendungen sorgen dafür, dass die Spannung bis zum Schluss erhalten bleibt.





Mittwoch, 4. März 2026

"Zwei in einem Bild" von Morgan Pager

Wenn Kunst lebendig wird - Eine Liebe zwischen Leinwand und Wirklichkeit

Was für eine außergewöhnliche Geschichte! Der Roman "Zwei in einem Bild" von Morgan Pager entführt die Leserinnen und Leser in ein kleines Museum, das einer Stiftung gehört und zahlreiche Werke berühmter Künstler beherbergt. Eines dieser Gemälde stammt von Henri Matisse und zeigt seinen Sohn Jean, vertieft in ein Buch.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Claire, die zur Putzkolonne des Museums gehört. Nacht für Nacht reinigt sie die stillen Räume – und entwickelt dabei eine besondere Faszination für genau dieses eine Bild. In der nächtlichen Stille scheint es ihr, als würden sich die Figuren auf den Gemälden bewegen. Ein Gedanke, der zunächst wie reine Fantasie wirkt.

Doch dann geschieht das Unfassbare: Claire erkennt, dass ihre Wahrnehmung Wirklichkeit ist. Sie kann ihr Lieblingsgemälde betreten und findet sich plötzlich in einer völlig anderen Welt wieder. Dort begegnet sie Jean – und zwischen den beiden entsteht eine zarte, unmögliche Liebe. Eine Verbindung zwischen Realität und Kunst, zwischen Gegenwart und Vergangenheit.

Ihre heimlichen Treffen werden zu einem festen Bestandteil von Claires Leben. Doch wie in jedem guten Märchen bleibt das Glück nicht ungetrübt. Unerwartete und gefährliche Ereignisse überschlagen sich und machen weitere Begegnungen schließlich unmöglich.

"Zwei in einem Bild" ist ein bezaubernder, poetischer Roman über Sehnsucht, Kunst und die Magie der Vorstellungskraft. Er stellt die Frage, wie nah wir Kunstwerken wirklich kommen können - und ob wir nicht alle schon einmal das Gefühl hatten, in einer Gemäldegalerie selbst beobachtet zu werden. Ein modernes Märchen, das lange nachklingt. 





 

Herzlichen Dank an das Team von NetGalley, dass ich das Buch lesen und vorstellen durfte!

#NetGalley




Freitag, 20. Februar 2026

"Das Glück weht vom Meer" von Lotta Larsson

Eine leise Liebesgeschichte voller Neuanfang

Der Roman "Das Glück weht vom Meer" von Lotta Larsson erzählt eine leise, gefühlvolle Liebesgeschichte vor der stimmungsvollen Kulisse der dänischen Nordseeküste.

Anna sorgt für einen handfesten Skandal, als sie ihre eigene Hochzeit platzen lässt. Zu groß sind die Zweifel, zu tief sitzt der Schmerz über den Betrug ihres Verlobten. Um Abstand zu gewinnen, zieht sie sich in ein altes Haus mit Blick aufs Meer zurück. Die raue, zugleich beruhigende Landschaft der dänischen Küste spiegelt ihre innere Zerrissenheit wider – und schenkt ihr langsam wieder Ruhe und Kraft.

Dort begegnet sie dem Bootsbauer Mikkel. Zwischen den beiden entsteht vom ersten Moment an eine besondere Verbindung. Es ist dieses leise Erkennen zweier Seelen, die einander verstehen, ohne viele Worte zu brauchen. Doch auch Mikkel trägt seine eigene Geschichte mit sich. 

Die Dorfbewohner, warmherzig und aufmerksam, scheinen schneller als die beiden selbst zu wissen, dass hier etwas Besonderes wächst. Dennoch lassen Anna und Mikkel ihre Gefühle behutsam reifen. Die zentrale Frage bleibt: Hat diese Liebe eine Zukunft? Annas Leben, ihr Beruf als Lehrerin und ihre Heimat liegen in Deutschland. Zwischen Neuanfang und Verpflichtung, zwischen Meer und Heimat, muss sie eine Entscheidung treffen.

„Das Glück weht vom Meer“ ist eine zarte Liebesgeschichte, die weniger auf dramatische Wendungen als auf leise Töne setzt. Die atmosphärische Beschreibung der Küstenlandschaft, die warm gezeichneten Nebenfiguren und die behutsame Entwicklung der Beziehung machen den Roman zu einer wohltuenden Lektüre. Eine wunderschöne, feinfühlige Geschichte über Vertrauen, Neuanfang und den Mut, dem eigenen Herzen zu folgen.





Mittwoch, 18. Februar 2026

"Nimm dir Zeit für die Dinge, die dich glücklich machen"

Nimm dir Zeit für die Dinge, die dich glücklich machen.



Nicht irgendwann.

Nicht, '"wenn alles erledigt ist".

Sondern heute.


Glück wartet nicht auf freie Termine. Es entsteht in dem kleinen Momenten - beim Lachen, beim Durchatmen, beim Innehalten. 

Deine Zeit ist begrenzt. Also fülle sie mit dem, was dein Herz leicht macht. 

Wenn das Wetter heute trocken bleibt, werde ich heute Nachmittag einen schönen Spaziergang machen. Danach werde ich es mir mit einer Kanne Tee Zuhause auf der Couch gemütlich machen und lesen. 

Was macht dich heute glücklich?

Sonntag, 15. Februar 2026

"Der Sommer der Tauben" von Abbas Khider

Vom Verlust der Unbeschwertheit 

Der Roman "Der letzte Sommer der Tauben" von Abbas Khider erzählt eindringlich vom Verlust der Kindheit in Zeiten politischer und religiöser Radikalisierung.

Im Mittelpunkt steht der 14-jährige Noah, leidenschaftlicher Taubenzüchter. Das Züchten von Tauben ist dort, wo er lebt, mehr als ein Hobby – es ist Tradition, Gemeinschaft und ein Stück Freiheit. Doch diese Freiheit gerät zunehmend unter Druck: Die Mudschahedin übernehmen die Macht, und das Leben verändert sich erst schleichend, dann mit erschreckender Geschwindigkeit.

Frauen dürfen das Haus nur noch im Niqab und nicht mehr allein verlassen, öffentliche Strafen wie Steinigungen und Hinrichtungen werden zum grausamen Alltag.

Auch Noahs Familie bleibt nicht verschont. Der Vater, einst Besitzer eines Modegeschäfts, verliert zwar nicht seinen Laden, darf aber nur noch bestimmte Kleidung verkaufen. 

Der älteste Bruder gilt als verschwunden. Misstrauen ersetzt Verlässlichkeit, Angst verdrängt Unbeschwertheit. Die Frage „Wem kann man noch trauen?“ schwingt ständig mit.

Beim Lesen spürt man diese Veränderungen intensiv. Khider gelingt es, die Atmosphäre der Bedrohung spürbar zu machen, ohne je pathetisch zu werden. Die Kapitel sind kurz, aber bildgewaltig und eindringlich. Gewalt und Willkür werden nicht ausgespart, doch der Ton bleibt überraschend leise. Gerade diese Zurückhaltung verstärkt die Wirkung.

Trotz aller Dunkelheit durchzieht den Roman eine gewisse Leichtigkeit – vor allem in den Szenen rund um die Tauben. Sie stehen sinnbildlich für Hoffnung, Sehnsucht und den Traum vom Entkommen. So bleibt selbst in den bedrückendsten Momenten ein Rest Zuversicht spürbar.

"Der letzte Sommer der Tauben" ist ein stilles, aber nachhaltiges Buch. Es hallt lange nach und berührt durch seine Mischung aus Schonungslosigkeit und Menschlichkeit. Wer dieses Werk liest, wird vermutlich – wie ich – nicht bei diesem einen Buch von Abbas Khider bleiben.







Montag, 9. Februar 2026

"Die Psychoanalytikerin" von Melanie Metzenthin

Ein historischer Roman mit kriminalistischem Sog

Melanie Metzenthin erzählt in ihrem Roman "Die Psychoanalytikerin" eine eindrucksvolle Geschichte aus der Nachkriegszeit des Ersten Weltkrieges. Im Mittelpunkt steht Vera Albers, die nach dem Tod ihres im Krieg gebliebenen Mannes dessen Praxis übernimmt. Ihre Patienten sind überwiegend Männer mit Kriegserfahrung – viele von ihnen schwer gezeichnet, manche mit entstellten Gesichtern, verborgen hinter Masken. Die seelischen Wunden sind ebenso tief wie die sichtbaren.

Als es plötzlich zu mehreren rätselhaften Todesfällen kommt, wird Kommissar Bender aufmerksam. Seine Ermittlungen nehmen an Brisanz zu, als Willi Schuster von seiner Frau als vermisst gemeldet wird. Welche Rolle spielt Vera Albers in diesem Geflecht aus Trauma, Schuld und Verdrängung? Und kann sie helfen, die Wahrheit ans Licht zu bringen?

Obwohl der Roman nicht ausdrücklich als Krimi beworben wird, wirkt er wie ein historischer Kriminalroman, der psychologische Tiefe mit spannender Handlung verbindet. Besonders beeindruckend ist das fundierte Fachwissen der Autorin: Die psychoanalytischen Aspekte sind sorgfältig recherchiert und glaubwürdig in die Geschichte eingebettet. Ein äußerst spannender, kluger Roman, der lange nachwirkt.

Das Ende liest sich so, als dürfe man auf eine Fortsetzung hoffen – und das wäre großartig. Eine Rückkehr zu Vera Albers und Kommissar Bender würde ich als Leserin sehr begrüßen.