Samstag, 11. August 2018

"Ein Ire in Paris" von Jo Baker

Ein düsteres Stück Zeitgeschichte um den Schriftsteller Samuel Beckett

Es gibt Bücher, von denen bin ich einerseits fasziniert und andererseits kann ich doch nicht wirklich warm werden mit ihnen. "Ein Ire in Paris" gehört dazu. 

Der Zweite Weltkrieg steht kurz vor dem Ausbruch. Samuel Beckett, der im Roman nie wirklich genannt wird, ist noch bei seiner Mutter Zuhause, doch hier kann er nicht schreiben. Ihm fehlt die Luft zum Atmen. Er fühlt sich eingeengt. So packt er seine Sachen und reist zurück nach Paris, zurück zu seiner Geliebten Suzanne, doch so einfach, wie Beckett sich das Leben in Paris in Kriegszeiten gedacht hat, ist es nun mal nicht. 

Immer mehr Freunde verschwinden. Niemand kann sagen, was mit ihnen passiert ist. Schließlich entscheidet sich Beckett, der auch in Paris an seiner Schreibblockade leidet, sich der Résistance anzuschließen. Falsche Papiere müssen her. Die Gruppe wird verraten. Ein Leben nun im Untergrund, immer auf der Flucht, immer auf der Hut. Ein Leben von der Hand in den Mund. Hunger, Durst, Entbehrung, Erschöpfung. 

Jo Baker schreibt so, dass die Düsternis fast greifbar ist. Sie beschreibt das Leben, die Landschaften bildhaft und einprägend, doch die Personen selbst sind mir irgendwie fremd geblieben. Der Schreibstil ist ungewohnt, ungewöhnlich, nicht so ganz meins. Trotzdem ist ein lesenswertes Buch, eine Romanbiografie, die die dunkelste Zeit in Samuel Becketts Leben betrachtet.



Gebundene Ausgabe
348 Seiten
Verlag: KNAUS



Herzlichen Dank an das Team des Knaus-Verlages,
 dass ich dieses Buch lesen und vorstellen durfte!

Donnerstag, 9. August 2018

"Wo mein Herz dich findet" von Kathryn Taylor

Ein wunderbarer, ganz bezaubernder Liebesroman!

Als bei einem Unwetter ihr Auto plötzlich streikt, ist Cara gezwungen, nach jemanden zu suchen, der ihr helfen kann. Ihr Handy hat sie leider vergessen. In einer einsamen Gegend erscheint ihr das erleuchtete Haus die große Rettung zu sein. Nur widerwillig lässt der knauserige, aber durchaus sehr attraktive Liam die klatschnasse Cara in sein Haus eintreten. Er macht ihr umgehend klar, dass er froh ist, wenn sie so schnell wie möglich wieder verschwindet. Er hat jedoch nicht mit der Neugier der jungen Frau gerechnet, die sich Hals über Kopf in ihn verliebt hat. Auch Liam fühlt sich zu ihr hingezogen, doch ein schreckliches Ereignis hat ihn das Vertrauen zu anderen Menschen verlieren lassen. Wird es Cara gelingen, das Geheimnis zu lüften, das Liam umgibt? 

"Wo mein Herz dich findet" - ich habe mich riesig auf den neuen Roman von Kathryn Taylor gefreut, der nicht nur voller Liebe ist, sondern auch geheimnisvoll, unterhaltsam und spannend. Eine Geschichte, die mich die Stunden nur so hat vergessen lassen. Rettungslos romantisch, wie dieser Roman nun einmal ist, konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen. Mein Seufzen  muss eigentlich jetzt noch zu hören sein...

Aber nicht nur die Geschichte um Liam und Cara ist schön, auch die Geschichte um Caras Bruder Patrick, der kurz vor der Hochzeit mit Jessica steht, als seine frühere große Liebe Amy am Familienhotel steht, an der Hand ihren kleinen Sohn Charlie und um einen Job bittet. Alte Gefühle flammen auf, doch für wen wird sich Patrick entscheiden? 

"Wo mein Herz dich findet" - Kathryn Taylor packt einen mit der Leichtigkeit ihrer Sprache. Natürlich habe ich sehr früh geahnt, wie die Geschichte sich entwickeln wird, aber macht das etwas? Nein, im Gegenteil! Es ist ein wunderbarer, ganz bezaubernder Liebesroman, der mit viel Zärtlichkeit geschrieben wurde. Bitte mehr davon!






Taschenbuch
334 Seiten
Verlag: BASTEI LÜBBE





Liebe Kathryn, ganz, ganz herzlichen Dank 
für deine neue Geschichte! Sie ist wunderbar!




Dienstag, 7. August 2018

"Kleine große Schritte" von Jodi Picoult

Ein unheimlich wichtiges und aktuelles Thema, aber...

Was habe ich mich auf diesen Roman gefreut! Endlich ein neues Buch von Jodi Picoult, einer Autorin, die es immer wieder schafft, mich mit ihren Geschichten in den Bann zu reißen, die mich dazu bringt, schlaflose Nächte zu haben, die mich immer wieder überrascht. Nun also "Kleine große Schritte". 

Am Anfang war ich - wie immer - gebannt. Die Spannung hatte mich gepackt. Doch als ich noch nicht einmal die Hälfte erreicht habe, fing ich nach und nach an quer zu lesen. 

Das Thema des Buches ist Rassismus in Amerika. Schwarze und Weiße. Ein unheimlich wichtiges Thema, aktuell wie nie, nicht nur in Amerika! 

Die Säuglingsschwester Ruth bekommt die Anweisung, das neu geborene weiße Baby nicht zu berühren. Als das Baby aufhört zu atmen, gerät Ruth in einen Gewissenskonflikt. Soll sie sich der Anweisung widersetzen und dem Kind helfen oder nicht? Sie hilft, doch es ist bereits zu spät. Ruth wird angeklagt.

Die Personen blieben mir jedoch fremd. Von Jodi Picoult bin ich es eigentlich gewöhnt, dass sie mit meinen Gefühlen spielt, dass ich einmal mit der einen, ein paar Seiten weiter mit der anderen Person fühle. Das fehlte mir hier gänzlich. 

Wie so oft in ihren Romanen, nimmt ein Großteil der Geschichte ein Gerichtsprozess ein. Hier ist dieser Teil eindeutig zu lang geraten. Die Spannung verflog. 

Fazit: Ein sehr, sehr wichtiges Thema, für mich nicht ganz so ideal umgesetzt. Ich habe viele Bücher der Autorin gelesen und die älteren Romane empfinde ich immer noch als die besten.

Anhand der unzähligen Rezensionen auf diversen Portalen sieht man aber, dass das Buch unzählige Anhänger hat. Es ist halt nicht meine Geschichte. 




Gebundene Ausgabe
592 Seiten
Verlag: C.Bertelsmann





Herzlichen Dank an das Verlagsteam,
 dass ich das Buch lesen und vorstellen durfte!




Meine Juli-Bücher

Mit kleiner urlaubsbedingter Verspätung
 möchte ich Euch heute noch meine im 
Juli gelesenen Bücher vorstellen.




Donnerstag, 19. Juli 2018

"Kenia Valley" von Kat Gordon

Eine faszinierende Geschichte aus einer vergangenen Zeit

Das Cover des Romans hat mich magisch angezogen. Bunt, exotisch, wild kommt es daher. Ohne zu wissen, welches Thema das Buch überhaupt hat, wusste ich, diesen Buch muss ich lesen. 

Die Hauptperson der Geschichte ist Theo, der mit knapp 15 Jahren mit seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester in den Zwanziger Jahren nach Kenia kommt. Obwohl sie viel älter als er sind, schließt sich Theo dem glamourösen Paar Freddie und Sylvie an. Zu jeder Tages- und Nachtzeit wird gefeiert. Champagner und Cocktails fließen in Strömen. Man liebt das Leben. Man feiert bis zum Umfallen. Löwen und Affen hält man sich als Haustiere. Die Einheimischen werden für minderwertig und dumm gehalten. Theo tut praktisch alles, um dazu zu gehören, doch ist das wirklich seine Welt?

Zum Studium wird Theo später in die Heimat nach Schottland geschickt. Als er zurück in Kenia ist, hat sich nicht nur die Welt verändert, sondern auch seine Freunde. Der Zweite Weltkrieg steht kurz vor dem Ausbruch. Der permanente Rassismus ist spürbar wie nie, doch lassen sich die Einheimischen das alles weiterhin gefallen? Die heile Welt der Kolonialisten bekommt starke Risse. Das Leben wird bedrohlich. Wie wird Theos sich entscheiden? Wird er bleiben oder wird er Kenia rechtzeitig verlassen, um sich woanders ein neues Leben aufzubauen?

"Kenia Valley" - eine faszinierende Geschichte aus einer vergangenen Zeit. Kat Gordon schafft es  mit einer gewissen Leichtigkeit, dass der Leser das Gefühl hat, die Szenerie heimlich zu beobachten. Es ist eine mitreißende Geschichte, die hier und da aber auch kleine vermeidbare Längen hat. Mit Staunen liest man, wie dekadent und unmöglich sich die Kolonialherren in Afrika aufgeführt haben, wie sie die Einheimischen gescheucht haben und sie für minderwertige Menschen gehalten haben. Man staunt, ist entsetzt und doch fasziniert. 

Absolut guter Lesestoff mit einem überraschenden Ende! 



Gebundene Ausgabe
431 Seiten
Verlag: ATLANTIK




Herzlichen Dank an das Verlagsteam, dass ich den Roman lesen und vorstellen durfte!



Sonntag, 15. Juli 2018

"Eines Tages in Paris" von Juliet Blackwell

Absolute Lese-Empfehlung!

Als ihre Großmutter, liebevoll Mammaw genannt, im Sterben liegt, kehrt Claire zurück nach Louisiana. Sie gibt Claire mit auf den Weg, nach Paris zu reisen. In der Stadt des Lichts würde ein Geheimnis auf sie warten. Ein Geheimnis, das auch mit der ungewöhnlichen Totenmaske einer wunderschönen Frau zu tun hat, die Claire schon als Kind auf dem Dachboden der Großmutter entdeckt hat. 

Claire fliegt nach Paris und macht sich direkt auf den Weg zur "Moulage" der Familie Lombardi, einer Werkstatt, die schon seit Ewigkeiten Totenmasken und Gipsabdrücke herstellt. Die Totenmaske der geheimnisvollen schönen  Frau wurde hier einst hergestellt. In der Werkstatt trifft sie auf den mürrischen Armand und seine herzliche Cousine Giselle, die sich um den Verkauf kümmert. Ein Zufall will es, dass eine Übersetzerin ausgefallen ist. Kurzerhand springt Claire ein. Mit Giselle freundet sie sich sofort an, doch Armand bleibt abweisend und ebenso geheimnisvoll wie die Totenmaske. 

Wird Claire die Geheimnisse dieser beiden Menschen lösen können? Was hat es mit der wunderschönen Toten auf sich und wieso ist Armand so kühl? Armand, zu dem die sich immer mehr hingezogen fühlt. 

"Eines Tages in Paris" - was sich wie ein banaler Liebesroman anhören mag, entwickelt sich zu einer richtig spannenden Geschichte, die man einfach immer weiterlesen muss. Auf zwei Zeitebenen geschrieben, begibt sich der Leser zusammen mit Claire auf eine Reise in die Belle Époque. Dinge aus der Vergangenheit scheinen sich plötzlich in der Gegenwart zu wiederholen. Die Autorin schafft es hervorragend, das Pariser Flair wiederzugeben. Die Werkstatt, das Appartement. Es war, als würde ich als Freundin im Hintergrund dabei sein. 

"Eines Tages in Paris" - Nicht nur ein Liebesroman. Überraschende Wendungen machen diese wunderbare Geschichte zu einem spannenden Lese-Erlebnis. Absolute Empfehlung!



Taschenbuch
429 Seiten
Verlag: PIPER





Herzlichen Dank an das Team des PIPER-Verlages, 
dass ich das Buch lesen und vorstellen durfte!






Sonntag, 8. Juli 2018

"Der Neue" von Tracy Chevalier

Ein sehr mitreißender Roman, intensiv und emotional!

Amerika in den Siebziger Jahren. Osei, dessen Vater in diplomatischen Diensten steht, ist es fast schon gewöhnt, die Schule ständig zu wechseln. Doch das ist nicht sein einziges Problem. Osei und seine Familie stammen aus Ghana. An der neuen Schule ist er wieder einmal der Außenseiter. Nicht nur die anderen Kinder versuchen ihn zu meiden, auch die Lehrer sind voller Vorurteile. Rassismus steht auf der Tagesordnung, doch das scheint völlig  normal zu sein. Einzig Dee hat keine Probleme mit dem neuen Schüler. Sie ist die Einzige, die sich  mit ihm anfreundet, die ihm helfen möchte, doch da ist Ian, der mächtigste Junge auf dem Schulhof. Ihm ist die Freundschaft zwischen Osei und Dee ein Dorn im Auge. Schon beginnt er, ein intrigantes Lügennetz zu spinnen, das die beiden auseinander bringen soll. 

"Der Neue" ist ein Roman aus dem Hogarth Shakespeare Projekt. Bekannte und erfolgreiche Autoren haben die Möglichkeit, ein Werk Shakespeares neu zu erzählen. Tracy Chevalier hat sich "Othello" ausgesucht und eine berührende Neufassung des Klassikers geschaffen. 


Die Geschichte umfasst genau einen Tag im Leben des Schülers Osei. Schnell sind einem die einzelnen Charaktere vertraut. Man muss Othello gar nicht kennen, um diese Geschichte auf sich wirken zu lassen und wie sie wirkt! Man spürt förmlich die Katastrophe auf sich zusteuern, man möchte eingreifen, doch man kann nicht. 

"Der Neue" - ein sehr mitreißender Roman, intensiv und emotional. Unbedingt lesen!





Gebundene Ausgabe
195 Seiten
Verlag: KNAUS





Herzlichen Dank an das Verlagsteam, 
dass ich diesen emotionalen Roman lesen und vorstellen durfte!