Donnerstag, 24. September 2026

Kunstgeschichte mit Humor

Gestern Abend gab es im Osthaus-Museum Hagen eine ganz 
besondere Lese-Show: Jakob Schwerdtfeger war zu Gast – Kunsthistoriker und Stand-up-Comedian in einer Person. 

Jakob Schwerdtfeger


Bevor die Show begann, begrüßte mein Chef, Prof. Dr. Rainer Stamm, Direktor des Osthaus-Museums Hagen, die Gäste und hieß Jakob Schwerdtfeger herzlich im Museum willkommen. Dann gehörte die 
Bühne dem Kunsthistoriker und Comedian.


Prof. Dr. Rainer Stamm
Direktor Osthaus Museum Hagen

Und genau diese Mischung macht seinen Auftritt so besonders.

Auf unnachahmliche Art und Weise bringt er dem Publikum seine Sicht auf die Kunst näher: locker, witzig und wunderbar authentisch. Zwischen Anekdoten, Funfacts und jeder Menge Humor nimmt er uns mit auf eine kurzweilige Reise durch rund 1000 Jahre Kunstgeschichte.




Ob Renaissance, Barock oder Moderne – Jakob Schwerdtfeger findet zu jeder Epoche etwas zu erzählen und natürlich auch zu zeigen. Besonders schön fand ich, dass er dabei sogar Bilder aus der aktuellen Ausstellung des Osthaus-Museums Hagen in sein Programm eingebaut hat. So wurde der Abend noch einmal ganz unmittelbar mit dem Museum verbunden.




Gelesen hat er aus seinem Buch "Punkt, Punkt, Komma, Strich – fertig ist die Kunstgeschicht.", aber eine klassische Lesung war es 
eigentlich nicht. Immer wieder wechselte er zwischen Texten, 
Bildern und Erklärungen – und genau das machte die 
80 Minuten so abwechslungsreich.




Er ist witzig, er ist authentisch und man merkt ihm an, wie sehr er für Kunst brennt. Dabei schafft er es, Kunstgeschichte unterhaltsam und leicht zugänglich zu vermitteln, ohne dass es jemals langweilig wird.




Ein wirklich großartiger Abend! Die 80 Minuten vergingen 
wie im Flug – und ich hätte Jakob Schwerdtfeger definitiv 
noch viel länger zuhören können. 😊



#dtv

Samstag, 19. September 2026

"Der Künstlerinnen-Klub" von Hanka Meves

Mutige Frauen, große Kunst und der Aufbruch in die Moderne

Was für ein genialer Roman aus der Welt der Kunst!

Wir befinden uns in den Jahren 1911/1912 in Köln. Die Freundinnen Emmy Worringer und Olga Oppenheimer gründen im Gereonshaus den Künstlerinnen-Klub. Hier wird Kunst gezeigt, aber auch über Kunst und Kultur gesprochen, diskutiert und gefördert. Ihr besonderes Anliegen ist es, die neu aufkommenden Expressionisten einem Publikum zugänglich zu machen.

Mutig waren sie allemal: Münter, Picasso, Macke, Marc und viele andere Künstler ihrer Zeit zu zeigen, war damals alles andere als selbstverständlich. Die Presse ignoriert den Künstlerinnen-Klub völlig – kein Wort, keine Erwähnung. Erst die Sonderbundausstellung in Köln, die sowohl beim Publikum als auch bei den Verkäufen große Erfolge feiert, bringt die moderne Kunst und ihre Protagonisten stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. Die neue Kunst ist nicht mehr aufzuhalten.

Als Leser begleiten wir Emmy, die die Ausstellungen organisiert, und Olga, die selbst Malerin ist, zu Ausstellungen in Museen und Galerien. Wir sind außerdem bei den Treffen des Künstlerinnen-Klubs dabei und bekommen einen wunderbaren Einblick in die Kunstszene dieser aufregenden Zeit.

Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive der fiktiven Figur Mimi, einer Küchenhilfe im Haushalt der Worringers. Immer wieder darf sie Emmy und Olga begleiten und unterstützt die beiden Frauen tatkräftig. Durch Mimi bekommt die Geschichte eine ganz besondere, persönliche Perspektive.

Im Roman werden die kunstbegeisterten Frauen Olga Oppenheimer und Emmy Worringer wieder lebendig. Zwei großartige Frauen, die zu ihrer Zeit etwas völlig Neues gewagt haben – und damit Wege beschritten, die für Frauen heute selbstverständlich erscheinen.

Ein großartiger Roman: spannend, lebendig und voller Kunst und Farbe!

Für mich persönlich war die Geschichte noch aus einem ganz anderen Grund besonders spannend: Auch der Kunstförderer Karl Ernst Osthaus wird erwähnt – einer der bedeutendsten Kunstförderer seiner Zeit, erster Vorsitzender der Sonderbundausstellung in Köln und Gründer des Folkwang Museums in Hagen, dem heutigen Osthaus Museum Hagen. Gerade diese Verbindung zu Hagen hat das Buch für mich zu einem besonderen Leseerlebnis gemacht.

Eine spannende Geschichte mit historischem Hintergrund, viel Kunst und faszinierenden Frauen, die ihrer Zeit voraus waren. Nicht nur für Kunstfreunde ein absoluter Lesegenuss!






Ganz, ganz herzlichen Dank an den emons-Verlag, 
dass ich diesen wunderbaren Roman lesen und vorstellen durfte!


#emons


Mittwoch, 2. September 2026

"Wildboden" von Constantin Lieb

Zwischen Kunst, Abhängigkeit und Liebe

Der Maler Ernst Ludwig Kirchner und seine Lebensgefährtin Erna Schilling führen in den Schweizer Bergen ein einfaches, zurückgezogenes Leben. Im kleinen Ort Frauenkirch sind sie nie wirklich bei den Menschen angekommen. Die Bewohner begegnen ihnen eher misstrauisch und zurückhaltend. Während Kirchner die Abgeschiedenheit und die Ruhe schätzt, leidet Erna darunter. Ihr fehlt die Großstadt, ihr fehlt Berlin.

Auch psychisch geht es Erna zunehmend schlechter. Ihre Depressionen verschlimmern sich, doch sie steht bis zum Schluss zu Kirchner und ist immer für ihn da. Dabei ist auch sein eigenes Leben von schweren Dämonen geprägt. Seit dem Ersten Weltkrieg traumatisiert, medikamentenabhängig und später sogar morphinabhängig, geht es Kirchner zunehmend schlechter. Er kann charmant und zuvorkommend sein, gleichzeitig aber auch herablassend und verletzend. Seine Kunst gilt in Deutschland inzwischen als "entartet", und auch persönlich gerät sein Leben immer mehr aus den Fugen.

Zwischen Ernst Ludwig und Erna besteht eine zutiefst toxische Beziehung. Sie können nicht wirklich miteinander – und doch können sie auch nicht ohne einander sein. Erna hält zu ihm, versucht, ihn aufzufangen und mit seinen Stimmungsschwankungen und Abhängigkeiten zu leben. Trotz aller Belastungen bleibt sie bis zu seinem Tod an seiner Seite. Doch Kirchners Dämonen gewinnen schließlich die Oberhand: Er nimmt sich das Leben.

"Wildboden" ist trotz – oder vielleicht gerade wegen – der Düsternis, die über dem Leben der beiden Protagonisten liegt, ein unglaublich mitreißender Roman. Constantin Lieb erzählt fesselnd und sprachgewaltig. Besonders beeindruckend fand ich, wie unmittelbar man in Kirchners Welt eintaucht und miterlebt, wie in seinem Kopf ein neues Bild entsteht – unabhängig davon, unter welchen Lebensumständen er sich gerade befindet.

Die Atmosphäre der Schweizer Berge, Kirchners innere Zerrissenheit und die schwierige Beziehung zu Erna werden so eindringlich beschrieben, dass man sich der Geschichte kaum entziehen kann. Die Spannung bleibt bis zum Finale erhalten, und das Ende ist zugleich erschütternd und sehr berührend.

Ein intensiver, sprachgewaltiger Roman über einen großen Künstler, seine Dämonen und eine Frau, die trotz aller Schwierigkeiten bis zum Schluss an seiner Seite bleibt.

Nicht nur für Kunstbegeisterte eine Empfehlung!





Herzlichen Dank an den INSEL-Verlag, 

dass ich den Roman lesen und vorstellen durfte!