Dienstag, 6. Januar 2026

Sonnenaufgang Nr. 5" von Carsten Henn

Wenn Erinnerungen Geschichten erzählen 

Jonas ist gerade einmal 19 Jahre alt, hat sein Germanistikstudium abgebrochen und weigert sich, im Restaurant seines Vaters mitzuarbeiten. Das Verhältnis zum Vater ist angespannt – vielleicht, weil Jonas mit seiner eigenen Vergangenheit nicht zurechtkommt. Seine Mutter ist bereits früh verstorben, ein Verlust, der bis heute nachwirkt.

Jonas hat einen ungewöhnlichen Traum: Er möchte Biograf werden. Seine erste Kundin ist Stella – eine Frau, die sich selbst als einst gefeierte Filmdiva bezeichnet. Doch ist diese Vergangenheit wirklich wahr oder nur die Geschichte, die sie erzählen möchte?

Carsten Henn erzählt eine wunderschöne Geschichte über Erinnerungen und das Loslassen, über Neuanfänge, Freundschaft und die Frage, wie sehr unsere Vergangenheit uns prägt. Es ist genau die Art von Geschichte, die ich liebe.

Besonders berührend sind die liebevoll gezeichneten Nebenfiguren:

Da ist Bente, die alte Dame, die jeden Tag an derselben Bushaltestelle sitzt, nur um erneut die Ansage zu hören – gesprochen mit der Stimme ihres verstorbenen Mannes.

Paul, der sich nichts sehnlicher wünscht, als einmal mit Stella zu tanzen.

Der Maler, der ausschließlich Sonnenuntergänge malt.

Und Senna, die sich mit Jonas anfreundet und ihm neue Perspektiven eröffnet.

Alle Figuren tragen ihre eigene Geschichte in sich – voller Erinnerungen, Hoffnungen und oft auch Schmerz. Nichts wirkt überzeichnet, alles fühlt sich menschlich und echt an.

Carsten Henn gelingt es einmal mehr, am Ende einen stimmigen Kreis zu schließen. Als Leserin oder Leser legt man dieses Buch mit einem Lächeln aus der Hand.
Ein warmherziges, tröstendes Buch – gerade in unruhigen Zeiten.







Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen