In "Und jeden Tag wird der Weg nach Hause länger und länger" erzählt Frederik Backman eine leise, zutiefst menschliche Geschichte über Erinnerung, Verlust und Liebe.
Im Mittelpunkt stehen Noah und sein Großvater, die viel Zeit miteinander verbringen. Der Opa nennt seinen Enkel liebevoll "Noahnoah", weil er ihn doppelt so lieb hat – ein kleines Detail, das sofort die Innigkeit ihrer Beziehung spürbar macht.
Beide verbindet die Liebe zur Mathematik. Zahlen sind für sie mehr als bloße Rechenzeichen: Sie geben Halt, Ordnung und Orientierung, sie bringen einen immer wieder nach Hause.
Oft sitzen sie gemeinsam auf einer Bank, reden, lachen und erinnern sich. Doch nach und nach zeigt sich, dass der Großvater immer vergesslicher wird. Die sich anbahnende Erkrankung schleicht sich behutsam in die Erzählung, ohne je laut oder dramatisch zu werden.
Die Geschichte ist kurz, ruhig und scheinbar unaufgeregt. Gerade darin liegt ihre große Stärke. Mit wenigen Worten entfaltet Backman eine enorme emotionale Tiefe. Die Traurigkeit über das Vergessen steht stets neben der Liebe, die bleibt – vielleicht sogar stärker wird. Trotz der unausweichlichen Krankheit verliert die Erzählung nie ihre Wärme.
Es ist eine stille, tief berührende Geschichte über Abschied und Nähe, die lange nachhallt. Sie schmerzt und tröstet zugleich – und macht die Welt für einen kurzen Moment ein bisschen schöner.

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