Ein historischer Roman mit kriminalistischem Sog
Melanie Metzenthin erzählt in ihrem Roman "Die Psychoanalytikerin" eine eindrucksvolle Geschichte aus der Nachkriegszeit des Ersten Weltkrieges. Im Mittelpunkt steht Vera Albers, die nach dem Tod ihres im Krieg gebliebenen Mannes dessen Praxis übernimmt. Ihre Patienten sind überwiegend Männer mit Kriegserfahrung – viele von ihnen schwer gezeichnet, manche mit entstellten Gesichtern, verborgen hinter Masken. Die seelischen Wunden sind ebenso tief wie die sichtbaren.
Als es plötzlich zu mehreren rätselhaften Todesfällen kommt, wird Kommissar Bender aufmerksam. Seine Ermittlungen nehmen an Brisanz zu, als Willi Schuster von seiner Frau als vermisst gemeldet wird. Welche Rolle spielt Vera Albers in diesem Geflecht aus Trauma, Schuld und Verdrängung? Und kann sie helfen, die Wahrheit ans Licht zu bringen?
Obwohl der Roman nicht ausdrücklich als Krimi beworben wird, wirkt er wie ein historischer Kriminalroman, der psychologische Tiefe mit spannender Handlung verbindet. Besonders beeindruckend ist das fundierte Fachwissen der Autorin: Die psychoanalytischen Aspekte sind sorgfältig recherchiert und glaubwürdig in die Geschichte eingebettet. Ein äußerst spannender, kluger Roman, der lange nachwirkt.
Das Ende liest sich so, als dürfe man auf eine Fortsetzung hoffen – und das wäre großartig. Eine Rückkehr zu Vera Albers und Kommissar Bender würde ich als Leserin sehr begrüßen.

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