Montag, 31. Januar 2022

"Das zweite Leben des Monsieur Moustier" von Aude Le Corff

Wer wie ich die eher leisen Geschichten mag, wird dieses Buch lieben. Es ist die wunderbare Geschichte über eine Schriftstellerin, die mit ihrer Familie in ein Haus an der französischen Küste zieht und die, wenn sie tagsüber allein Zuhause ist, immer wieder Besuch von einem alten Mann bekommt. Es ist Guy, dessen Haus es vorher war und der nun in einem Altersheim leben muss. Sie, erst überrascht und auch ängstlich, er, mürrisch und schlecht gelaunt. Nach und nach nähern sich die beiden an und erzählen sich gegenseitig ihre Geschichte. 

Was Guy erleben musste, ist unheimlich berührend. Sein Vater, ein Widerstandskämpfer in der Resistance, der sich für so viele Menschen eingesetzt hat, obwohl Guy ihn selbst so dringend gebraucht hätte. Der Tod des Vaters, der Krieg an sich und das Nicht-Darüber-Sprechen-Können. 

"Das zweite Leben des Monsieur Moustier" - ein großartiges Buch, empathisch, klug, stilsicher und voller Wärme. 


Taschenbuch
186 Seiten
Insel Verlag


"Montagsfragen - Das etwas andere Interview" mit Heidi Rehn

 Liebe Lesezeit-Leserinnen und -Leser,

freut Euch mit mir auf ein ganz tolles Interview mit Heidi Rehn. Sie spricht mit mir über das, woran sie glaubt, was sie aktuell liest und weshalb immer eine Zitrone in ihrem Kühlschrank sein muss. Im September 2018 durfte ich sie mit lieben anderen Menschen auf einem ihrer Romanspaziergänge quer durch München begleiten. Ein Erlebnis der ganz besonderen Art! 


Foto: (c) Susie Knoll


1. Bist du ein Gefühls- oder ein Kopfmensch?

Gefühlsmensch


2. Was ist dein Lieblingszitat?

„Ich freue mich, dass es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es trotzdem“.

(Karl Valentin)


3. Was kannst du, das die meisten Menschen nicht können?

In Geschichten leben.


4. Woran glaubst du?

Dass alle Menschen gleich sind und wir es nur gemeinsam schaffen.


Foto: Monika Schulte
September 2018
Romanspaziergang mit Heidi zum Thema Kaufhäuser


5. Gibt es eine Erfahrung, die dein Leben nachhaltig verändert hat?

Leider zwei sehr traurige, sehr persönliche aus den letzten Jahren. Seither versuche ich, den Moment zu genießen und möglichst gut zu nutzen, mich am Leben zu freuen, so wie es ist.

6. Was ist die großartigste wahre Geschichte, die du gehört hast?

Dass es immer wieder zu friedlichen Umstürzen gekommen ist, z.B. im November 1918 und 1989 in Deutschland, im Winter 1989/90 in den Ostblockländern und Anfang der 1990er Jahre mit dem Ende der Apartheid in Südafrika.

7. Über welches Thema könntest du einen 30-minütigen Vortrag halten, ohne jede Vorbereitung?

Leider über viel zu viele, wenn man mir nur das richtige Stichwort gibt, denn ich rede viel zu gern und erzähle anderen Leuten auch viel zu gern etwas, am liebsten natürlich aus der Geschichte.

8. Wie sieht die Zukunft aus?

Hoffentlich friedlicher, zuversichtlicher, respektvoller gegenüber Mensch und Natur, als es derzeit vermuten lässt. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt...

Foto: (c) Monika Schulte
September 2018
Gemütliches Beisammensein nach dem Romanspaziergang


9. Bei welchem Ereignis der Geschichte wärest du gerne dabei gewesen?

Bei der Landung auf dem Mond, um die Erde mal von dort oben zu sehen.

10. Was magst du an anderen Menschen?

Die vielen Möglichkeiten und Geschichten, die in jedem einzelnen von ihnen stecken.

11. Was würde mich an dir überraschen?

Lass dich überraschen...

12. Wenn du ein Video von einer Situation aus deinem Leben haben könntest, welche Situation wäre das?

In meinem Kopf laufen ständig Kurzfilme von Situationen und Erinnerungen aus meinem Leben ab, da brauche ich keine einzelne auswählen, da kann ich mich immer dran freuen.


Foto: (c) Monika Schulte
München 2018
Heidi Rehn, Monika Schulte, Christine Seger, Kerstin Bühren


13. Wie sieht für dich die perfekte Entspannung aus?

Viel draußen an der frischen Luft sein, den Moment in mich aufsaugen und die Gedanken fließen lassen.

14. Erscheinst du normalerweise eher zu früh oder zu spät?

Eher zu früh.

15. Hast du schlechte Angewohnheiten?

Viel zu viele, aber ich werde den Teufel tun und die jetzt hier aufzählen, denn eine davon ist, dass ich gern in gutem Licht gesehen werde.

16. Es ist eine Woche lang Stromausfall und dein Handy hat auch keinen Akku mehr. Was würdest du in dieser Woche tun?

Das, was ich ohnehin am liebsten tue: lesen, laufen, mit lieben Menschen zusammen sein und reden, Geschichten, Sätze, Worte, Beobachtungen in eins meiner vielen Notizhefte schreiben.





"Die letzte Schuld" - Der zweite Fall für Emil Graf und Billa Löwenfeld 
aus dem Nachkriegsmünchen - erschienen am 15. November 2021 als Aufbau Taschenbuch

17. Was darf in deinem Kühlschrank niemals fehlen?

Obst und vor allen die Zitrone für meinen täglichen Zitronenespresso.

18. Wenn du drei geschichtliche Personen zum Essen einladen könntest, welche wären das?

Vicki Baum, Josephine Baker, Sophie Scholl

19. Nenne uns deine drei Lieblingswörter!

Fondor, alldiweil, nevertheless.


Auf diesen Roman freue ich mich ganz besonders!

20. Welches Buch liegt neben deinem Bett?

Aktuell „Menschen neben dem Leben“ von Ulrich Alexander Boschwitz.

21. Wenn dein Leben ein Buch wäre, welchen Titel würde es haben?

„Es gibt noch einige Geschichten zu erzählen“.

22. Beschreibe dich in drei Worten!

Neugierig, friedliebend, optimistisch.



Liebe Heidi, ganz herzlichen Dank für dieses Interview!


Wer mehr über Heidi Rehn erfahren möchte, schaut einfach hier:

Die beliebten Romanspaziergänge "Heidi Rehn Auf den Spuren von..." - Aktuelle Termine auf der Website www.heidi-rehn.de sowie jederzeit bei YouTube 

"Heidi Rehn zählt längst zur Top Liga des Genres." (Histo Journal)
"Heidi Rehn ist »eine Bank« für Romane mit zeitgeschichtlichem Hintergrund des beginnenden 20. Jahrhunderts." (Uwe Kullnick, Literaturportal Bayern)





Sonntag, 30. Januar 2022

Lesezeit im Januar

So viele Bücher habe ich schon lange nicht mehr gelesen!







Think Pink!

 10 positive Dinge und Begebenheiten der vergangenen Woche



Foto entdeckt auf Pinterest


1. Der lange Spaziergang mit Angelika. Schön, dass wir es tatsächlich endlich schaffen!

2. Ein paar zaghafte erste Pläne für die Sommerferien.

3. Vogelgezwitscher am Morgen.

4. Erste knospende Blümchen in der Gartenanlage.

5. Am Mittwoch die erste "Bewegte Mittagspause" im Online-Format mitgemacht.

6. Den ersten Akupunkturtermin gehabt (Auffrischung).

7. Der Besuch bei meinen Eltern.

8. Ein paar richtig schöne Telefonate geführt.

9. Ein schönes Service entdeckt und direkt gegönnt. 

10. Der Spaziergang am Sonntag. 

Donnerstag, 27. Januar 2022

"Vor Frauen wird gewarnt - Vicki Baum - eine Frau auf dem Weg nach oben" von Heidi Rehn

Vicki Baum, was für eine schillernde Person! Keine Frau der Gegenwart, obwohl man genau das denken könnte. Sie kam in den Zwanziger Jahren groß heraus, obwohl ihre Romane eher unter "einfacher Frauenliteratur" liefen. Ihr Erfolg zeigte ihr jedoch, dass sie auf dem richtigen Weg war. Vicki Baum, eine moderne Frau, ihrer Zeit weit voraus, ließ Mann und Kinder zurück in Mannheim, um in Berlin allein durchzustarten. Immer unterwegs, immer neue Ideen zu Papier bringend und das in einer von Männern dominierten Welt.

Heidi Rehn hat eine spannende Romanbiografie geschaffen, in der Vicki Baum wieder zum Leben erweckt wird. Als Leser begegnen wir ihrer Familie, ihren Weggefährten, den Menschen im Verlag. Heidi Rehn hat akribisch recherchiert und entführt den Leser auf eine unterhaltsame Reise zurück in die Zwanziger Jahre.

So ganz nebenbei hat sie mich wahnsinnig neugierig gemacht auf das, was Vicki Baum geschrieben hat. In den nächsten Tagen wird der neu aufgelegte Roman "Der große Ausverkauf" bei mir einziehen. 


Taschenbuch
432 Seiten
KNAUR



Montag, 24. Januar 2022

"Montagsfragen - Das etwas andere Interview" mit Silke Porath

 Liebe Lesezeit-Leserinnen und -Leser,

heute habe ich das Vergnügen, Euch die Autorin Silke Porath vorstellen zu dürfen. Sie erzählt über ihre wagemutige Großmutter, über einen ganz magischen Augenblick und weshalb Ihr Mann eine Revolution auslösen könnte. Freut Euch mit mir auf ein ganz tolles Interview!


Foto: (c) Stefanie Brandt


1. Bist du ein Gefühls- oder ein Kopfmensch?

Beides. Ich denke, Herz und Verstand sollte man nicht trennen.


2. Was ist dein Lieblingszitat?

„Manche Menschen werden nie verrückt. Was für ein langweiliges Leben die haben müssen“. Das ist von Charles Bukowski


3. Was kannst du, das die meisten Menschen nicht können?

Egal, wie lange ich über diese sehr gute Frage auch nachdenke, es fällt mir nichts ein.


4. Woran glaubst du?

Ich glaube, dass alles, was uns geschieht, einen Sinn hat, auch, wenn man das manchmal erst im Rückblick erkennt.


5. Gibt es eine Erfahrung, die dein Leben nachhaltig verändert hat?

Mehrere sogar. Die Geburt meiner drei Kinder, klar. Dass ich meine Mutter bis zu ihrem Tod hier zu Hause begleiten durfte. Das lässt einen ganz anders über das Leben und Sterben nachdenken. Aktuell wirbelt meine Fortbildung zum Kinder- und Jugendcoach mein Leben gewaltig durcheinander. Mit 50 Jahren mache ich nun etwas komplett anderes, als ich nach dem Abitur gelernt habe. Die Arbeit mit den Kindern und Eltern ist unsagbar erfüllend.



6. Was ist die großartigste wahre Geschichte, die du gehört hast?

Das ist die Lebensgeschichte meiner Großmutter. Sie hat sich in den Wirren der Flucht aus Ostpreußen buchstäblich gegen die russischen Soldaten gestellt und so ihren Kindern das Leben gerettet. Dieser Löwenmut ist bewundernswert.

Die großartigste wahre Geschichte, die ich erlebt habe, ist die meines Mannes und mir. Er ist Franzose und hat mir bei der Lektüre für das Abitur geholfen. 30 Jahre lang haben wir nichts voneinander gehört. Dann sind wir uns zufällig begegnet und als wir uns in die Augen gesehen haben, ist die Zeit stehen geblieben. Das war magisch.


7. Über welches Thema könntest du einen 30-minütigen Vortragen halten, ohne jede Vorbereitung?

Über psychische Erkrankungen. Panikattacken, Ängste. Ich war selbst betroffen. Die Erkrankung hat m ein Leben damals komplett auf den Kopf gestellt. Aber das war gut so.


8. Wie sieht die Zukunft aus?

Das weiß ich nicht und will es auch gar nicht wissen. Es wäre doch langweilig, wenn es keine Überraschungen mehr gäbe.


9. Bei welchem Ereignis der Geschichte wärest du gerne dabei gewesen?

Ehrlich gesagt, bei gar keinem. Aber wenn ich durch die Zeit reisen müsste, dann würde ich gerne in Woodstock Station machen und den Spirit dort in mich aufsaugen.



10. Was magst du an anderen Menschen?

Gesunde Neugier fasziniert m ich. Wenn mein Gegenüber empathisch ist, das mag ich.


11. Was würde mich an dir überraschen?

Das verrate ich doch nicht! Lass dich überraschen!


12. Wenn du ein Video von einer Situation von einer Situation aus deinem Leben haben könntest, welche Situation wäre das?

Eine kurze Sequenz würde mir schon genügen. Mein Mann, die Kinder und ich barfuß am Strand, die Nase im salzigen Wind. Das würde ich mir wieder und wieder anschauen.


13. Wie sieht für dich die perfekte Entspannung aus?

Lesen, im Sommer in der Hollywoodschaukel, im Winter kuschelig auf der Couch.


14. Erscheinst du normalerweise eher zu früh oder zu spät?

Bei mir ist das meistens ein „Uff, gerade noch geschafft“.



15. Hast du schlechte Angewohnheiten?

Klar, wer hat die nicht?


16. Es ist eine Woche lang Stromausfall und dein Handy hat auch keinen Akku mehr. Was würdest du in dieser Woche tun?

Das Schöne daran wäre ja, dass kein technischen Gerät mehr funktioniert. Also würde ich mit dem Füller schreiben. Und drum herum ganz viel Zeit mit der Familie verbringen. Vielleicht doch mal alte Fotos sortieren. Endlich mal diesen einen vollgestopften Kellerraum entrümpeln, den wir alle haben. Und es genießen, dass keine schlechten Nachrichten aufploppen.


17. Was darf in deinem Kühlschrank niemals fehlen?

Französische Butter. Wenn keine mehr da ist, startet mein Mann eine Revolution.


18. Wenn du drei geschichtliche Personen zum Essen einladen könntest, welche wären das?

Müsste ich dann auch kochen? :) Ich würde gerne Abend mit Marie Antoinette verbringen. Über sie gibt es so viele Vorurteile, dabei war sie im Grunde „nur“ eine Mutter und unglücklich in Versailles. Marie Curie wäre auch willkommen. Diese Frau hat Unglaubliches geleistet. Und dann könnte noch Clara Schumann vorbei schauen und ein bisschen Musik machen.


19. Nenne uns deine drei Lieblingswörter!

Muggaseggele. Das ist Schwäbisch und bezeichnet die kleinstmögliche Einheit von etwas. Schlotzer. Auch Schwäbisch, bedeutet Lutscher. Und Schuuuuuuhs, das ist ein deutsch-französischer Familiengag.


Foto: (c) Stefanie Brandt

20. Welches Buch liegt neben deinem Bett?

Da ist ein ständig wachsender Stapel an Büchern. Alles Mögliche liegt da. Thriller, historische Schmöker, Gute-Laune-Romane.


21. Wenn dein Leben ein Buch wäre, welchen Titel würde es haben?

„Die mit dem Wort kämpft“. Das fände ich schön, weil es eine doppelte Bedeutung hat. Zum einen kämpfe ich beim Schreiben um die Wörter. Zum anderen denke ich da an das Zitat des spanischen Claretinerpaters Antonio Maria Claret: „Das Wort ist die stärkste Waffe“.


22. Beschreibe dich in drei Worten!

Ich. Bin. Silke.



Liebe Silke, ganz herzlichen Dank für das tolle Interview!





Samstag, 22. Januar 2022

"Der Buchspazierer" von Carsten Henn

Selten habe ich eine so wunderschöne Geschichte gelesen! Eine Geschichte über einen alten Buchhändler, der seinen Kunden die Bücher in Papier eingeschlagen persönlich vorbei bringt. Kunden, Buchliebhaber, die allerdings immer weniger werden in dieser schnelllebigen Zeit. Eines Tages lernt Carl die neunjährige Schascha kennen und plötzlich wird sein bisher sehr beschauliches Leben komplett auf den Kopf gestellt. 

"Der Buchspazierer" - der poetische, ruhige Erzählton passt perfekt zur Geschichte. Ein sehr positives anrührendes Buch über eine außergewöhnliche Freundschaft und die Liebe zu Büchern. Eine Geschichte für die Seele, faszinierend und aufs Schönste erzählt, warmherzig und wohltuend. Für Buchliebhaber und alle, die leise Geschichten mögen, ein absolutes Muss! 



Gebundene Ausgabe
224 Seiten
Pendo