Sonntag, 15. Februar 2026

"Der Sommer der Tauben" von Abbas Khider

Vom Verlust der Unbeschwertheit 

Der Roman "Der letzte Sommer der Tauben" von Abbas Khider erzählt eindringlich vom Verlust der Kindheit in Zeiten politischer und religiöser Radikalisierung.

Im Mittelpunkt steht der 14-jährige Noah, leidenschaftlicher Taubenzüchter. Das Züchten von Tauben ist dort, wo er lebt, mehr als ein Hobby – es ist Tradition, Gemeinschaft und ein Stück Freiheit. Doch diese Freiheit gerät zunehmend unter Druck: Die Mudschahedin übernehmen die Macht, und das Leben verändert sich erst schleichend, dann mit erschreckender Geschwindigkeit.

Frauen dürfen das Haus nur noch im Niqab und nicht mehr allein verlassen, öffentliche Strafen wie Steinigungen und Hinrichtungen werden zum grausamen Alltag.

Auch Noahs Familie bleibt nicht verschont. Der Vater, einst Besitzer eines Modegeschäfts, verliert zwar nicht seinen Laden, darf aber nur noch bestimmte Kleidung verkaufen. 

Der älteste Bruder gilt als verschwunden. Misstrauen ersetzt Verlässlichkeit, Angst verdrängt Unbeschwertheit. Die Frage „Wem kann man noch trauen?“ schwingt ständig mit.

Beim Lesen spürt man diese Veränderungen intensiv. Khider gelingt es, die Atmosphäre der Bedrohung spürbar zu machen, ohne je pathetisch zu werden. Die Kapitel sind kurz, aber bildgewaltig und eindringlich. Gewalt und Willkür werden nicht ausgespart, doch der Ton bleibt überraschend leise. Gerade diese Zurückhaltung verstärkt die Wirkung.

Trotz aller Dunkelheit durchzieht den Roman eine gewisse Leichtigkeit – vor allem in den Szenen rund um die Tauben. Sie stehen sinnbildlich für Hoffnung, Sehnsucht und den Traum vom Entkommen. So bleibt selbst in den bedrückendsten Momenten ein Rest Zuversicht spürbar.

"Der letzte Sommer der Tauben" ist ein stilles, aber nachhaltiges Buch. Es hallt lange nach und berührt durch seine Mischung aus Schonungslosigkeit und Menschlichkeit. Wer dieses Werk liest, wird vermutlich – wie ich – nicht bei diesem einen Buch von Abbas Khider bleiben.







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