Mittwoch, 23. März 2016

"Weil wir längst woanders sind" von Rasha Khayat

Layla, Tochter einer deutschen Mutter und eines saudischen Vaters, lebte die längste Zeit ihres Lebens in Deutschland, als sie plötzlich den Entschluss fasst, einen saudischen Mann zu heiraten und auch dort zu leben. Zu leben in einer Welt, die so gar nichts mit ihrer Freiheitsliebe zu tun hat. Ihr Bruder Basil versteht die Welt nicht mehr. Warum? Warum will seine Schwester zurück nach Saudi Arabien, das Land, in dem sie lediglich die ersten Kindheitsjahre verbracht haben? In ein Land, in dem sie sich verschleiern muss? Ein Land, in dem sie kein Auto fahren darf. Doch Layla bleibt bei ihrem Entschluss. Deutschland ist ihr zu eng, zu grau geworden. Sie hat es satt, immer wieder erklären zu müssen, wieso sie um Beispiel so gut Deutsch kann. Layla hat Sehnsucht nach ihrem anderen Ich, nach ihrem arabischen Ich. 

"Weil wir längst woanders sind" - die Autorin Rasha Khayat schafft es hervorragend, Laylas Beweggründe darzustellen. Natürlich fragt sich der Leser, was kann eine junge Frau, die hier aufgewachsen ist, dazu bewegen, in ein Land zu gehen, in dem sie keine oder kaum Rechte hat. Doch als ihr Bruder Basil zur Hochzeit nach Saudi Arabien kommt, kann ich Layla immer besser verstehen. Die Autorin schildert das uns eher fremde Land in den hellsten Farben. Alles strahlt, leuchtet. Und dann ist da die Familie, laut und bunt und immer präsent und immer füreinander da. Layla fühlt sich nach den Anschlägen des 11. September nicht mehr wohl in Deutschland. Immer wieder muss sie sich für etwas rechtfertigen, für das sie nichts kann, sie, die selbst so gar nicht religiös und so sehr freiheitsliebend ist. 

"Weil wir längst woanders sind" - mitreißend, bezaubernd, poetisch. Wunderschön erzählt. Unbedingt lesen!






Gebundene Ausgabe

192 Seiten
Verlag: DUMONT



Herzlichen Dank, dass ich diesen wunderbaren 
Roman lesen und besprechen durfte!



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen